Programm

Dies ist das Programm des BAKJ Winterkongresses 2017:

FREITAG 08. Dezember

ab 17 Uhr: Ankommen und Infopunkt (Ort: Atelier)

ab 18 Uhr: Abendessen (Ort: Atelier)

ab 20 Uhr: Podiumsdiskussion: Wie kann eine kritische Praxis im Umgang mit Menschenrechten aussehen? (Ort: Haus 2)

SAMSTAG 09. Dezember

09:00 – 10:00 Uhr: Frühstück (Ort: Spartacus)

BLOCK 1: 10 – 12 Uhr
(Ort: Atelier, Seminarraum 1 & 2)

Universalität und Relativität der Menschenrechte

Petra Klug wird in ihrem Workshop die historische Entwicklung von Menschenrechten näher beleuchten und davon ausgehend bestehende Kritiken an universalen Konzepten darstellen.

Vor allem auf die queere und feministische Debatte um die Universalität der Menschenrechte, am Beispiel von Judith Butler und Haideh Moghissi, soll dabei eingegangen werden und anschließend diskutiert werden, inwiefern Menschenrechte, Kultur und Geschlechterordnung zusammengedacht werden können.

Petra Klug ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Religionswissenschaft und Religionspädagogik an der Universität Bremen. Sie hat Kulturwissenschaft und Soziologie (Magister) und Religionswissenschaft (Master) in Leipzig studiert.

Warum beteiligen sich Menschen an kollektiver Gewalt?

In dem Workshop „Warum beteiligen sich Menschen an kollektiver Gewalt?“ soll es darum gehen, wie Völkermorde zustande kommen können und welche Rolle der Einfluss von Ideologien dabei spielt. Auch soll allgemein darauf eingegangen werden, was Staatskriminalität bedeutet und wie sie sich zu einem Forschungsgegenstand in der Kriminologie entwickelt hat.

Die Vortragende Kirstin Drenkhahn hat seit 2017 eine Professur für Strafrecht und Kriminologie an der Freien Universität Berlin inne, der eine sechsjährige Juniorprofessur vorausging. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Strafvollzugsforschung, Menschenrechte in der Strafvollstreckung sowie die Kriminologie von Staatsverbrechen.

Text zur Vor- und Nachbereitung

Einführung in den Bürgerlichen Staat

Der Workshop soll in die allgemeinen Grundlagen bürgerlicher Staatlichkeit einführen. Dazu wird es ein paar Thesen und viel Platz für Diskussionen geben. Aus dem Inhalt: Was ist eigentlich so ein Gewaltmonopol? Was macht den bürgerlichen Staat so besonders? Was hat er mit Kapitalismus zu tun? Und wie und warum unterscheidet sich sein nationales Recht so sehr von dem internationalen Recht, das er mit seinesgleichen schafft?
Text zur Vor- und Nachbereitung

Der Vortragende war schon mehrmals Referent bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg zu den Themen Kapitalismus und Nationalismus.

BLOCK 2: 12 – 14 Uhr
(Ort: Atelier, Seminarraum 1 & 2)

Vernetzung & Projekte

14 – 15:30: Mittagessen (Ort: Spartacus)

BLOCK 3: 15:30 – 17:30 Uhr
(Ort: Atelier, Spartacus, Seminarraum 1 & 2)

Postkoloniale Rechtsstrukturen am Beispiel von Eritrea

In dem Vortrag von Freweyni Habtemariam wird es um vorkoloniale politische Organisationsformen in Eritrea gehen und wie diese Schritt für Schritt durch die Kolonialisierung abgebaut wurden. Ein Fokus soll auf den bis heute fortdauernden Auswirkungen liegen, die dieser Abbau – z.B. durch Verträge oder neue Grenzziehungen – auf die Bevölkerung hatte. Außerdem werden wir uns mit etwaigen Forderungen, frühere Rechtsstrukturen wiedereinzuführen, befassen und die Frage diskutieren, was aus vorkolonialen Rechtsfindungs- und Entscheidungsprozessen aus heutiger Perspektive gelernt werden kann.

Die Referentin Freweyni Habtemariam ist Vizevorsitzende des Vereins „Eritrean Initiative for Dialogue and Coorperation e.V.“ Sie arbeitet als Dolmetscherin und Übersetzerin in Berlin.

Zur Theorie der Warenform des Völkerrechts

In diesem Workshop soll es anhand von China Miévilles “Between Equal Rights: A Marxist Theory of International Law” um eine Theorie der Warenform des Völkerrechts gehen. China Miéville versucht in seiner 2005 erschienenen Dissertation, Eugen Paschukanis’ Formanalysen des Rechts aus den 1920er Jahren zu einer commodity-form theory of international law auszubauen. Er lässt sich dabei von den Critical Legal Studies inspirieren, insbesondere von Martti Koskenniemi und dessen These von der Unbestimmtheit des Völkerrechts. Auch wenn er darin letztlich als Idealist kritisiert wird, nennt Koskenniemi Miévilles Buch “The most sophisticated Left critique of international law availale today as well as one of the most significant contributions to the theory and history of international law I have read”.

Der Workshop wird um Fragen wie diese kreisen: Was unterscheidet Miévilles Theorie vom völkerrechtlichen Mainstream? Was von der sowjetischen Lehre? Von den Critical Legal Studies? Und zuguterletzt: Kann/soll ein solche Theorie eine emanzipatorische Praxis des Völkerrechts anleiten?

Text zur Vor- und Nachbereitung

Die Moderierenden wirken bei der AG Rechtskritik mit.

Umweltschutz als Menschenrecht (Fällt leider Knakheitsbedingt aus)

Inwieweit nutzen Umweltrechte den Menschenrechten und Menschenrechte den Umweltrechten? Um diese Frage soll es in dem Workshop „Umweltschutz als Menschenrecht“ gehen. Die Referentin Julia Thrul wird dabei aufzeigen, warum ihrer Ansicht nach Umweltschutz und Menschenrechte zusammengedacht werden müssen, damit ein effektiver Schutz beider Güter gelingen kann.

Julia Thrul arbeitet als Wirtschaftsethikerin mit Firmen und NGOs zusammen und berät sie bei der praktischen Umsetzung von ethischem und nachhaltigem Management. Sie hat einen Master im internationalen Menschenrecht (LLM) mit Schwerpunkt auf der Verantwortung und Kontrolle von multinationalen Organisationen in der globalen Wirtschaft.

Anarchismus und Menschenrechte

An den Menschenrechten wird immer wieder von verschiedenen Seiten Kritik geübt, sei es der postkoloniale und derweil unhaltbare Vorwurf, die Menschenrechte wären von alten weißen Männern für eben jene gemacht, oder die rechtsradikale Unterstellung, Menschenrechte würden durch ihren universellen Anspruch die Eigentümlichkeit der Völker zersetzen.

Keine dieser Kritiken trifft den Punkt, weshalb mit den Menschenrechten tatsächlich keine grundlegende gesellschaftliche Veränderung zu machen ist, fallen sie doch hinter den fortschrittlichen Anspruch dieser selbst zurück. Eine Kritik der Menschenrechte, die nicht auf eine reaktionäre Auflösung der gesellschaftlichen Widersprüche zielt, muss notwendigerweise eine sein, die sich auf die Trias von Recht, Staat und Kapital bezieht.

Seit jeher steht der Anarchismus in entschiedener Gegnerschaft zum Staat als Versinnbildlichung der Herrschaft des Menschen über den Menschen sowie gegen jede Institution, die Herrschaft erzeugt oder stützt, und gegen jede Form der Ausbeutung. Der Staat, und mit ihm das Recht, wird hier immer als Instrument zur Sicherung der kapitalistischen Herrschaft, also der Eigentums- und Produktionsverhältnisse gefasst.

Entsprechend wird im Vortrag eine anarchistische Menschenrechtskritik entwickelt, aufgezeigt, warum bestehende Menschenrechtskritiken unzutreffend oder unzureichend sind, aber auch das teilweise unklare und indifferente Verhältnis des Anarchismus‘ zum Naturalismus untersucht

Frederik Fuß hat Soziale Arbeit studiert und ist Teil des anarchistischen Projekts Tsveyfl – dissensorientierte Zeitschrift.

18 – 19 Uhr: Abendessen (Ort: Spartacus)

19 – 21 Uhr: ABENDVERANSTALTUNG  „Kolonialitäten versus Globale Gerechtigkeit: a world we have, a world we want“ (Ort: Spartacus)

ab 21 Uhr: Party (Ort: Spartacus)

SONNTAG 10. Dezember

10 – 11 Uhr: Frühstück (Ort: Atelier)

11- 14 Uhr: Abschlussplenum (Ort: Atelier)

14 -15 Uhr: Mittagessen  (Ort: Atelier)

Das ganze Programm haben wir auch in einem Heft zusammengefasst ihr könnt es hier finden.